Silver Lady
Nach acht Monaten reiten auf wechselnden Schulpferden hatte ich das Gefühl, dass
ich nicht so wirklich vorwärts kam. Keines der Pferde, auf denen ich reiten durfte,
sagte mir so wirklich zu. Auch blieb mir ohne eigenes Pferd die Springstunde verwehrt.
Der logische Ausweg: Reitbeteiligung. Aber wer vertraut Jemandem, der noch kein Jahr reitet,
sein Pferd an?
Es ergab sich, dass ein Mädchen aus dem Stall mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag, da ihr schwarzer Hannoveraner beim Springen den Sattel abgesprengt hatte. Aufgrund eines Machtworts der Mutter war fortan nur noch Dressur angesagt, und dieses heisse Tier stand zum Verkauf. Ich mag schwarze Pferde, und habe deshalb nach dem Preis fragen lassen, wohl wissend, dass er viel zu teuer für mich sein würde. Nur dummerweise wussten die Stallbesitzer so, dass ich auf der Suche nach einem Pferd war.
Die Tochter eines der Stallbesitzer musste wegen Rückenproblemen mit dem Reiten aufhören, weshalb ihr Pferd zum Verkauf stand. Es handelte sich dabei um eine achtjährige Schimmelstute unbekannter Abstammung, im Springen L-platziert, 1,35m gegangen, preislich attraktiv. Name: Silver Lady.
Beim Probereiten versuchte ich, das Pferd aufgrund meiner bis dahin vorhandenen reiterlichen Fähigkeiten zu beurteilen. Fazit: ich muss nicht viel treiben, angaloppieren tut sie auch ohne Probleme, fliegende Wechsel klappen. Das Probespringen ging auch sehr gut. Tines Warnungen bzgl. Körperbau habe ich in den Wind geschlagen. Durchs Genick reiten war eh ein Fremdwort und Aussitzen was für Dressurreiter. Also war ich am 23.6.2005 nach bestandener Ankaufsuntersuchung stolzer Besitzer eines Pferdes.
Ein knappes Jahr später kenne ich dieses Pferd viel besser. Sie ist furchtbar lieb, ich kenne wenige Pferde, die im Umgang ruhiger, gelassener und freundlicher sind. Auch der kleine Junge, der ihr statt zu streicheln auf die Nase gehauen hat, hat noch alle Finger. Dazu ist sie ein echtes Menschenpferd, das gerne kuschelt, und grundsätzlich bei jeder Person mal nachschaut, ob es da nicht was zu holen gibt. Das ist vor allem dann witzig, wenn die betreffende Person Angst vor Pferden oder weiße Kleidung hat. Und da Silver mich als Chef akzeptiert, läuft sie wie ein Hund neben mir her, ohne dass ich sie festhalten muss (es sei denn, ein potentieller Leckerliespender oder ein Büschel Stroh kreuzen unseren Weg). Da erntet man doch so manchen bewundernden Blick.
Kommen wir zu den dunklen Seiten. Das Tier ist schreckhaft. Geräusche sind nicht so das Problem, aber wehe, ein anderes Pferd erschrickt, da muss Silver immer im Höchsttempo mitrennen. Mindestens dreimal lag ich deswegen im Sand. Auch so Dinge wie Plastiktüten, weiße Plastikkisten oder Lecksteine anderswo als im Lecksteinhalter sind wohl potentielle Feinde. Immerhin begegnet man diesen in der Reithalle nicht so oft. Bleibt noch das Reiterliche: Hätte ich nur auf Tine gehört. Silver ist schwierig durchs Genick zu reiten, dadurch auch nicht ganz einfach zu sitzen, und eine Kandidatin für Rückenprobleme. Denn auch ich habe eingesehen, dass man ab und zu aussitzen sollte, wenn man irgendwann richtig reiten lernen will. Andererseits erfreut sie mich dann wieder damit, dass sie wohl mehr kann als ich, und Seitengänge gar kein Problem sind. Was das Springen betrifft, so bin ich geteilter Meinung. An einem guten Tag entwickelt sie mächtig Zug zum Sprung, ich muss nur noch ein bisschen steuern. Aber an anderen Tagen will sie nicht so wirklich und verweigert mal gerne. Überhaupt muss man ihr viel Vertrauen geben, immer Verbindung halten, "Leinen los und Gas" führt ins Unglück. Dazu ist sie sehr sensibel - das kann positiv sein, aber sie spürt auch meine Nervösität und mein Zögern, und wird dadurch selber unsicher.
Mein Fazit nach einem Jahr reiten auf Silver: Es ist alles nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe. Es ist ein langsamer Lernprozess und es gibt immer wieder Rückschläge. Aber: Ich habe viel Spaß mit ihr. Ich habe entdeckt, dass Dressur auch Spaß machen kann, und Springen nicht alles ist. Und weil sie so ein liebes Pferd ist, hänge ich mittlerweile so an ihr, dass ich sie nicht mehr weggeben will.
Mehr über uns gibts im Tagebuch zu lesen.
Es ergab sich, dass ein Mädchen aus dem Stall mit Gehirnerschütterung im Krankenhaus lag, da ihr schwarzer Hannoveraner beim Springen den Sattel abgesprengt hatte. Aufgrund eines Machtworts der Mutter war fortan nur noch Dressur angesagt, und dieses heisse Tier stand zum Verkauf. Ich mag schwarze Pferde, und habe deshalb nach dem Preis fragen lassen, wohl wissend, dass er viel zu teuer für mich sein würde. Nur dummerweise wussten die Stallbesitzer so, dass ich auf der Suche nach einem Pferd war.
Die Tochter eines der Stallbesitzer musste wegen Rückenproblemen mit dem Reiten aufhören, weshalb ihr Pferd zum Verkauf stand. Es handelte sich dabei um eine achtjährige Schimmelstute unbekannter Abstammung, im Springen L-platziert, 1,35m gegangen, preislich attraktiv. Name: Silver Lady.
Beim Probereiten versuchte ich, das Pferd aufgrund meiner bis dahin vorhandenen reiterlichen Fähigkeiten zu beurteilen. Fazit: ich muss nicht viel treiben, angaloppieren tut sie auch ohne Probleme, fliegende Wechsel klappen. Das Probespringen ging auch sehr gut. Tines Warnungen bzgl. Körperbau habe ich in den Wind geschlagen. Durchs Genick reiten war eh ein Fremdwort und Aussitzen was für Dressurreiter. Also war ich am 23.6.2005 nach bestandener Ankaufsuntersuchung stolzer Besitzer eines Pferdes.
Ein knappes Jahr später kenne ich dieses Pferd viel besser. Sie ist furchtbar lieb, ich kenne wenige Pferde, die im Umgang ruhiger, gelassener und freundlicher sind. Auch der kleine Junge, der ihr statt zu streicheln auf die Nase gehauen hat, hat noch alle Finger. Dazu ist sie ein echtes Menschenpferd, das gerne kuschelt, und grundsätzlich bei jeder Person mal nachschaut, ob es da nicht was zu holen gibt. Das ist vor allem dann witzig, wenn die betreffende Person Angst vor Pferden oder weiße Kleidung hat. Und da Silver mich als Chef akzeptiert, läuft sie wie ein Hund neben mir her, ohne dass ich sie festhalten muss (es sei denn, ein potentieller Leckerliespender oder ein Büschel Stroh kreuzen unseren Weg). Da erntet man doch so manchen bewundernden Blick.
Kommen wir zu den dunklen Seiten. Das Tier ist schreckhaft. Geräusche sind nicht so das Problem, aber wehe, ein anderes Pferd erschrickt, da muss Silver immer im Höchsttempo mitrennen. Mindestens dreimal lag ich deswegen im Sand. Auch so Dinge wie Plastiktüten, weiße Plastikkisten oder Lecksteine anderswo als im Lecksteinhalter sind wohl potentielle Feinde. Immerhin begegnet man diesen in der Reithalle nicht so oft. Bleibt noch das Reiterliche: Hätte ich nur auf Tine gehört. Silver ist schwierig durchs Genick zu reiten, dadurch auch nicht ganz einfach zu sitzen, und eine Kandidatin für Rückenprobleme. Denn auch ich habe eingesehen, dass man ab und zu aussitzen sollte, wenn man irgendwann richtig reiten lernen will. Andererseits erfreut sie mich dann wieder damit, dass sie wohl mehr kann als ich, und Seitengänge gar kein Problem sind. Was das Springen betrifft, so bin ich geteilter Meinung. An einem guten Tag entwickelt sie mächtig Zug zum Sprung, ich muss nur noch ein bisschen steuern. Aber an anderen Tagen will sie nicht so wirklich und verweigert mal gerne. Überhaupt muss man ihr viel Vertrauen geben, immer Verbindung halten, "Leinen los und Gas" führt ins Unglück. Dazu ist sie sehr sensibel - das kann positiv sein, aber sie spürt auch meine Nervösität und mein Zögern, und wird dadurch selber unsicher.
Mein Fazit nach einem Jahr reiten auf Silver: Es ist alles nicht so einfach, wie ich mir das vorgestellt habe. Es ist ein langsamer Lernprozess und es gibt immer wieder Rückschläge. Aber: Ich habe viel Spaß mit ihr. Ich habe entdeckt, dass Dressur auch Spaß machen kann, und Springen nicht alles ist. Und weil sie so ein liebes Pferd ist, hänge ich mittlerweile so an ihr, dass ich sie nicht mehr weggeben will.
Mehr über uns gibts im Tagebuch zu lesen.

