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Wie der Toby zum Pferd kam
Ich war schon immer ein Tierfreund, zumindest solange sie vier Beine haben (Spinnen und Insekten mag ich nämlich nicht besonders). Da ich das Vergnügen hatte, auf dem Land aufzuwachsen (im Schwarzwald und der Hohenlohe), hatte ich in jungen Jahren viel Kontakt mit Kühen, Schweinen, Hunden und Katzen. Selber hatten wir nur kurz einen Hund (einen durchgeknallten Hühnerkiller namens Wendelin, ein Mix aus Schäferhund und Deutsch Kurzhaar), zwei Hamster (Mäxle I und II) und ein Meerschweinchen (Bruno).
Da sportliche Betätigung bei mir immer so eine Sache war, wollten es mich meine Eltern, als ich ungefähr sechs war, mal mit dem Reiten probieren lassen. Ich erinnere mich noch an einen Tag, an dem mir gezeigt wurde, wie man ein Pferd putzt (war etwas größer als ich, muss also ein Pony gewesen sein). Anschließend wurde ich noch ein Weilchen auf dem Pony durch die Halle geführt. Laut meinem Vater war ich mehr als einmal bei zwei verschiedenen Ställen, woran ich mich nicht mehr erinnern kann. Genausowenig, warum ich damals nicht weitergemacht habe - anscheinend fand ich es wohl doch nicht so toll.
Ich weiss aber noch, dass ich im Rahmen des Calwer Sommerferienprogramms im Sommer 1988 und 1989 jeweils einmal auf dem Ponyhof Gechingen war. Dort sind wir auf Norwegern ausgeritten. Ich konnte weder Trab aussitzen noch Leichttraben (zumindest letzteres bekomme ich mittlerweile hin), so dass mir hinterher der Rücken wehtat - aber Spaß hat es gemacht.
Es kamen lange Jahre der Pferdeabstinenz. Für das Sommerferienprogramm war ich zu alt, und richtig Reiten wollte ich ja anscheinend eh nicht. Außerdem stand in Computer zur Beschäftigung da. So habe ich mich durchs Gymnasium gequält, die Bundeswehr durchschlafen und das Geodäsiestudium bewältigt, ohne auch nur einen Gedanken an Pferde zu verschwenden.

Es ergab sich jedoch, dass ich während des Studiums eine gute Freundin aus dem hohen Norden fand. Diese Freundin namens Tine ritt nicht nur seit Jahrzehnten, sondern hatte auch einen pferdezüchtenden Freund namens Tommi. Und da ich zwischen Studium und Arbeitsbeginn in den Niederlanden das Bedürfnis nach Urlaub hatte, mir aber finanziell keine großen Sprünge erlauben konnte, gab es nur eins. Auf nach Holstein! Und wenn man schonmal dort ist, kann man ja auch mal aufs Pferd draufsitzen, so war zumindest der Plan.
Als Schulpferd auserkoren war das Pferd von Martina, ein schwarzbrauner, 14 Jahre alter Dreiviertelblüter namens Snoopy von stattlichen 1,75m Stockmaß. Aber vorher saß ich schonmal zehn Minuten auf Schimmi, dem Schimmel, und wurde von Tine über den Springplatz geführt.
Die erste "echte" Reitstunde hatte ich dann mit Snoopy an der Longe, mit Tine als Reitlehrerin. Ziel: Leichttraben lernen. Vorgehensweise: Tine macht Toby total verrückt, der bringt überhaupt nichts hin. Da hatte ich noch eine Chance den Pferden zu entkommen. Nur dummerweise hat sich dann Martina erbarmt. Durch Einfühlsamkeit statt Härte und Dressur- statt Springsattel war Leichttraben doch zu lernen. Und wenn wir schonmal dabei sind, kann man ja auch mal galoppieren. Ups, das ist ja doch etwas heftiger als Trab. Aber in sowas Ähnlichem wie dem leichten Sitz kann man auch das ertragen.

Tine und Snoopy haben dann noch einen letzten Versuch unternommen, mich vor der Reiterei zu bewahren. Ich sollte ohne Steigbügel reiten. Offenbar fand Snoopy mein Geklammer mit den Beinen so unangenehm, dass er schnurstracks vom Platz galoppierte. Ich konnte mich nur noch am Hals festklammern, hatte ich doch noch nicht mal Steigbügel. Snoopy erinnerte sich wohl an seine Abstammung und galoppierte mit mir vom Hof und ins Dorf. Was tun war die Frage - absteigen war keine Option, das hätte Aua gegeben. Also mit der rechten Hand die Zügel am Gebiss gepackt und gebremst, dann abgestiegen, und mit Snoopy an der Hand grinsend einer sehr geschockten Tine entgegengelaufen.
Mein weiteres Training verlief so ereignislos, dass ich irgendwann selbstständig und ohne größere Komplikationen mit Snoopy ein Cavaletti überwand. Mir wurde dann jedoch angeraten, weiteres Springen nur unter Aufsicht und auf einem anderen Pferd auszuführen. Gesagt, getan, an meinem letzten Urlaubstag durfte ich mit Schimmi noch ein paar Hüpfer machen. Zwar nur aus Trab, denn angaloppiert ist der bei mir nie, aber ein halber Meter dürfte es gewesen sein.

Der Umzug in die Niederlande verbessere meine Chancen, der Reiterei zu entkommen, nicht wirklich. Einerseits sind die Niederländer mindestens genauso pferdeverrückt wie die Holsteiner. Andererseits ritt auch unsere Sekretärin, und hatte sogar ein eigenes Pferd... So ergab es sich, dass ich an meinem zweiten Tag in den Niederlanden bereits ein niederländisches (na ja, 75% Holsteiner) Pferd putzen durfte. Und weitere zwei Tage später hatte ich meine erste Abteilungsreitstunde, die ausgesprochen gut lief, auch wenn mein Galopp im leichten Sitz (mehr konnte ich nicht) als "Cowboy-Reiterei" bezeichnet wurde.
Um die Sache etwas abzukürzen: Es folgten acht Monate, in denen ich auf verschiedenen Schulpferden und im Urlaub auf Snoopy und Schimmi unterwegs war. Von letzterem bin ich dabei einmal runtergefallen (mit Sporen ist er angaloppiert) und hatte monatelang Rückenschmerzen. Mit den Schulpferden vertraute man mir offenbar so weit, dass ich eine Stunde in der Woche alleine reiten durfte, wenn möglich draußen, wenn möglich im Galopp. Und siehe da, die Schulpferde verstanden meine Hilfe zum fliegenden Galoppwechsel.

Meine letzte Chance zur nur oberflächlichen Beschäftigung mit Pferden habe ich dann verwirkt, als ich mir ein Pferd gekauft habe. Aber das ist eine andere Geschichte, die hier nachzulesen ist. Und wie es danach weiterging, steht hier.
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Wie der Toby zum Pferd kam
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